Einsatz und Trends: Interview mit Fabian Lampert zu Virtual- und Augmented Reality

01.08.2016

Im zweiten Interview zum Thema Augmented Reality und Virtual Reality gibt uns heute Fabian Lampert von Canon Deutschland Auskunft. In seinem Unternehmen wird schon lange gemeinsam mit führenden Herstellern an diesen Technologien gearbeitet. Lampert glaubt an eine großartige Zukunft für Virtual Reality und Augmented Reality.

Fabian Lampert ist Marketing-Experte mit vielfältiger, internationaler Erfahrung im Luftverkehr, technischen Handel sowie der Unterhaltungselektronik. Ab 2007 war er für mehrere multinationale Unternehmen in Melbourne, Australien tätig, bevor er 2015 nach Deutschland zurückkehrte, um für Canon das Channel Marketing zu betreuen. Er ist dort unter anderem verantwortlich für die Umsetzung der digitalen In-Store Strategie.

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In Deutschland tun sich viele schwer mit der Digitalisierung. Viele hoffen, sich nicht verändern zu müssen und schauen skeptisch auf neue Angebote wie beispielsweise Snapchat. Augmented Reality und Virtual Reality  sind keine wirklich neuen Themen. Von Google Glass spricht heute niemand mehr. Warum sollen sich diese Themen gerade jetzt durchsetzen?

Die Angst vor Veränderung, besonders in Bezug auf digitale Themen, ist in Deutschland wesentlich größer als in anderen Ländern. Über die genauen Gründe kann ich nur spekulieren, es könnte unter anderem mit der schlechten Netz-Infrastruktur zusammenhängen oder dem Fakt, dass es unsere Regierung Unternehmen auch nicht gerade einfach macht in der digitalen Welt voranzuschreiten, wie beispielsweise ein kosten- und anmeldefreier WLAN Zugang, Uber, Mytaxi oder andere.

Das hat dafür gesorgt, dass andere Länder wesentlich früher Erfahrung mit der digitalen Welt ‚on the go‘ machen konnten und die mobilen Internetfähigkeiten ihres Smartphones entsprechend intensiver nutzten. Aber auch der unverhältnismäßig hohe Wert den die Deutschen auf die Privatsphäre legen, macht es den neuen Technologien hier schwieriger Fuß zu fassen als anderswo.

Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen: Während meines siebenjährigen Aufenthaltes in Melbourne, Australien, bekam ich live mit, wie neue Technologien verfügbar gemacht wurden und innerhalb kürzester Zeit von der Mehrheit der Bewohner auch genutzt wurden. So war es beispielsweise schon 2009 möglich, mit meiner Kreditkarte kontaktlos zu bezahlen – ohne PIN für Beträge von 1$ bis 100$. Das ist hier heute immer noch nur sporadisch möglich, von anderen digitalen Zahlungsmethoden ganz zu schweigen.

So wird es für Deutschland immer schwieriger mitzuhalten, um auch in der Technologiebranche attraktive Unternehmen und damit Stellen zu erschaffen.

Der entscheidende Grund, neben dem Ästhetischen, warum keiner mehr über Google Glass spricht war wohl, dass es zu früh auf den Markt kam, es fehlte der Content. Mittlerweile sind die Möglichkeiten, speziell für Augmented Reality, Content zu erstellen relativ erschwinglich geworden, woraus natürlich ein größerer Nutzen der Technologie für die Masse resultiert.

Immer mehr führende Unternehmen, wie  unter anderem in der Unterhaltungsbranche, arbeiten am Erstellen von Augmented Reality sowie Virtual Reality Content. Je mehr Unternehmen diese Technologien verwenden möchten, umso weiter verbreiten sie sich auf dem Markt, umso günstiger wird dann natürlich die Anschaffung, was wiederum einen Zuwachs an Content zur Folge hat – der Kreis schließt sich. Es ist also nicht mehr eine Frage des ob oder gar des wann, sondern eher des wofür – die Einsatzmöglichkeiten dieser Technologien scheinen endlos und sind momentan nur durch die Hardware und das Content-Angebot eingeschränkt – eine spannende Zeit!

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Derzeit zielen Händler und Hersteller bei den Themen Augmented Reality vielfach und öffentlichkeitswirksam auf den Markt. Welche Bedeutung haben Virtual- und Augmented Reality aber eigentlich für Unternehmen?

Das kommt auf die Branche an. Canon arbeitet schon lange mit führenden Herstellern an diesen Technologien.

Interessant ist jedoch der Nutzen dieser Technologie für die breite Masse, vor allem Augmented Reality rückt immer mehr in den Fokus, da es auch immer mehr Content und dadurch Anwendungsmöglichkeiten gibt. Auch ist es momentan noch möglich, den sogenannten WOW Effekt mit solchem Einsatz zu generieren, das wird jedoch nicht mehr lange anhalten. Je erschwinglicher die Technologie wird, umso weiter verbreitet und damit entsprechend ‚standardisierter‘ wird sie sein.

Momentan ist es wichtig für ein Unternehmen sich mit diesen Technologien zu befassen, zu analysieren inwieweit sie jetzt, aber auch in der Zukunft, Nutzen bringen können, ob im Bereich Marketing/Kommunikation oder auch beim Optimierenvon Prozessen.

Viele Testanwendungen laufen bei Händlern und Unternehmen derzeit im Bereich Marketing und Vertrieb. Sind Augmented Reality auch in anderen Unternehmensbereichen einsetzbar und wenn, in welchen?

Ich denke, die Möglichkeiten sind fast endlos, spontan würden mir die Bereiche Healthcare und Produktion einfallen, hier spielt das Thema Virtual Reality auch eine größere Rolle.

Der Einsatz von Augmented Reality wird besonders für Marketing und Vertrieb, aber auch alle Bereiche die in direktem Kontakt mit Kunden stehen, interessant.  Die breite Masse wird eine neue Technologie nur annehmen, wenn der Content relevant ist. Da im Bereich Augmented Reality dessen Produktion immer erschwinglicher wird, liegt es jetzt an den Unternehmen mit ansprechendem Content zu kommen. Nintendo und Niantic haben erstmal vorgelegt…

Für wen ist Virtual Reality geeignet? Womit sollten Händler bei Virtual Reality anfangen?

Ich kann lediglich über die Fachhändler der Photoindustrie sprechen, hier denke ich, macht es momentan für einen Händler mehr Sinn, sich mit dem Thema Augmented Reality zu befassen, besonders für diejenigen Unternehmen, die ihren Content bzw. das Einkaufserlebnis mit dem WOW Effekt versehen wollen.
Virtual Reality benötigt meistens zusätzlich zur Software auch spezielle Hardware, während Augmented Reality über die Smartphones, Tablets, Kameras, etc. der Kunden dargestellt werden kann und sich daher einfacher in den Alltag sowie das Einkaufserlebnis einbinden lässt.
Beide Technologien bieten aber jetzt schon viele Möglichkeiten, Content anders und interaktiver darzustellen und somit den Nutzer wesentlich effektvoller abzuholen.

Fotos: Canon EXPO 2015 Paris, privat

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Autor: Renate Eck

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