Graphic Recording macht Events online erlebbar

20.02.2018

Stellen Sie sich vor, nach der Konferenz gibt es nicht nur die Slides der Vortragenden zum Mitnehmen oder Videos der Vorträge, sondern ein Bild, eine Zeichnung, die die wesentlichsten Ergebnisse der erlebten Konferenztage grafisch dokumentiert? Klingt ungewöhnlich? Ist es aber nicht.

Gerade habe ich diese Methode beim Bloggertreffen in München kennengelernt, auf der Matthias Schwert, der sich selbst als Graphic Recorder bezeichnet, unser Treffen mit einem großen Wandgemälde visualisierte und nicht nur mich damit begeisterte. Aber schauen Sie selbst:

Quelle: Matthias Schwert, Graphic Recorder

Die Methode nennt sich Graphic oder Visual Recording und kommt aus den USA. Architekten begannen dort bereits in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts Aussagen ihrer Klienten grafisch auf kleinen Karten aufzunehmen und nach bestimmten Kriterien geordnet zu Bildwänden zusammenzufassen.

In den 70er Jahren waren es neben Architekten besonders Designer und Consultants, die Gruppenprozesse in großen Wandbildern sichtbar machten. Sie waren der Überzeugung, dass Gruppen effektiver zusammenarbeiten, wenn sie ihre eigenen Prozesse grafisch verfolgen und überblicken können. „Alle können die Zusammenhänge sehen und sich über deren Bedeutung verständigen. Am Ende eines Meetings entsteht eine Art visualisiertes Gruppengedächtnis (Group Memory), das jederzeit unter Zuhilfenahme der Visualisierungen aktiviert und zur Weiterarbeit genutzt werden kann.“

Was ist Graphic Recording?

In den 90er Jahren erreichte diese Methode auch Europa und ist inzwischen ein eigenes Berufsfeld, das seine Wurzeln in der Organisationsentwicklung, Prozessbegleitung und Moderation (Facilitation) hat.

Ein Visual Facilator oder Graphic Recorder begleitet Gruppenprozesse mit visuellen Mitteln, dabei werden Prozesse, Inhalte und Ergebnisse in visueller Sprache sichtbar gemacht, meist in Kombinationen von Texten und Bildern. Ganz wichtig: Der Fokus liegt nicht auf den Bildern oder dem Akt des Zeichnens, sondern auf dem Prozess. Es ist also mitnichten eine künstlerische Methode, auch wenn viele der Akteure aus dem künstlerischen oder Kreativbereich kommen.

So wie der Graphic Recorder Matthias Schwert, der seine Tätigkeit wie folgt beschreibt: „Der Recorder beobachtet, hört zu und zeigt den Diskurs und seine Ergebnisse Schritt für Schritt auf. Kernaussagen werden dabei herausgefiltert und zeichnerisch betont. Graphic Recording setzt einzelne Aspekte komplexer Inhalte in Verbindung zueinander und stellt diese so verständlich dar.“ Ganz wichtig, so Schwert, ist der „Dialog mit der Gruppe“, die den Visualisierungsprozess begleiten und kommentieren und deren Kommentare, Emotionen und Stimmungen in die Umsetzung einfließen.

Einsatzmöglichkeiten des Graphic Recordings

Visual oder Graphic Recording lässt sich sehr vielseitig einsetzen, ob beim überschaubaren Gruppenmeeting oder der Konferenz mit hunderten Teilnehmern, bei Seminaren, Trainings oder Workshops. Überall dort, wo Menschen Dinge oder Prozesse miteinander erarbeiten ist Visualisierung hilfreich. Visuelle Verlaufsprotokolle können einerseits sehr großflächig erfolgen und mehrere Quadratmeter große Bilder entstehen lassen, daneben gibt es Bildwände aus vielen kleinen Bildkarten und inzwischen auch digitale Varianten für Tablets.

Im Gegensatz zum Graphic Recorder, der sich als Visualisierender möglichst komplett aus den Gruppenprozessen herausnimmt, agieren Visual Facilitatoren stärker als Prozessbegleiter und wirken mit ihren Visualisierungen wie ein Spiegel auf die Gruppenprozesse zurück. Sie greifen aktiv in die Prozesse ein und können als zusätzliche Methode Teilnehmer zur Visualisierung ihrer inneren Bilder anregen und anleiten.

Zum Abschluss noch ein Graphic Recording der besonderen Art: Ein Mitarbeiter der Firma Payback präsentierte im vergangenen Monat auf der Konferenz 12min.me den „Jahresrückblick der Digitalbranche 2018“ und dieser Vortrag wurde von Matthias Schwert zeichnerisch festgehalten. Ich bin sicher, dass dieser Vortrag sowohl informativ als auch recht vergnüglich gewesen sein muss.

Abbildung Quelle: PAYBACK Careers

Weiterführende Links:

Autor: Renate Eck

Kommentare

Antwort hinterlassen