Jeder Referent sollte sich als Storyteller verstehen

18.11.2016

„Wer Storytelling beherrscht, erreicht und fasziniert Menschen.“ Steht im Vorwort von „Storytelling. Digital-Multimedial-Social“, einem Buch, das ich gerade lese. Referenten wollen ihr Publikum ja auch erreichen und faszinieren, lässt sich vielleicht im Buch dazu Hilfreiches entdecken? Ist es weiterzuempfehlen?


Zum Thema Storytelling gibt es bereits zahlreiche Literatur, das meiste aus dem englischsprachigen Raum, auch in Übersetzungen. Doch in vielen Fortbildungen hörte Pia Kleine Wieskamp immer wieder den Wunsch nach Best Practice Cases aus Deutschland. So hat sie eine Einführung ins Thema geschrieben und zahlreiche Experten aus verschiedensten Gebieten eingeladen, aus ihrer Praxis zu berichten. Pia Kleine Wieskamp ist seit vielen Jahren im Kommunikationsbereich unterwegs und hat sich mit ihrer Firma POINT-PR auf Storytelling und Markenkommunikation spezialisiert.

cover wieskamp buch

Wie erzähle ich eine gute Geschichte?

„Streng genommen ist jeder Mensch ein Erzähler.“ Erzählen eine der zentralen und ältesten Kulturtechniken der Menschheit. Und Menschen suchen gute Inhalte, ob in Print, TV, Online oder auch in Konferenzen, auf Tagungen, in Workshops. Schon immer hat das Geschichtenerzählen dazu gedient, Wissen weiterzugeben, Werte, Moral und Lebenserfahrungen zu vermitteln. Eine gute Story schafft das und viel mehr: Die Zuhörer erinnern sich an diese Inhalte, sie erzählen sie weiter, im besten Fall gestalten sie sie interaktiv mit.

Die Autoren des Buchs geben viele Anregungen, wie man an dieses Geschichtenerzählen herangehen sollte, um seine Zuhörer zu erreichen und es schafft vor allem ein Grundverständnis, wie Geschichten beim Lernen und über Emotionen funktionieren. Einer der Experten, Carsten Rossi, schreibt über die Wirkung von Geschichten im impliziten, also intuitiven Denken und plädiert für Auswahl, Eingängigkeit und Verständlichkeit. Solcherart Geschichten kommen „besser an als nackte Zahlen, Bleiwüsten und langweilige Pressemitteilungen“.

pia-kleine-wieskamp

Auch wenn man erfahren will, was eine gute Geschichte braucht, wie die Dramaturgie funktioniert und warum man ohne Spannungsbogen nicht auskommt, wird man fündig. Die Autorin liefert im Kapitel 6 und zusätzlich auf einer Extra-Website einen „Story-Baukasten“, in dem sie Schritt für Schritt die Herangehensweise einer Story-Erstellung erläutert, bis hin zur Veröffentlichung und zum Monitoring.

Garr Reynolds und gute Geschichten

Im Kapitel „Der gute Storyteller“ habe ich auch einen alten Bekannten wiedergetroffen, Garr Reynolds, dessen Buch ZEN oder die Kunst der Präsentation ich vor vier Jahren in meinem Blog vorgestellt habe. Damals notierte ich, passend zum Thema: „Es geht vor allem um „die Entwicklung einer perfekt auf das Publikum zugeschnittenen Geschichte“ und nicht um Fragen wie viele Aufzählungspunkte ein Folie hat.“ Und die „wirklich wichtigen Fragen“ waren: „Wie lautet Ihre Kernaussage und warum ist diese wichtig? Was möchten Sie dem Publikum Wichtiges hinterlassen?“

Reynolds plädiert bei Präsentationen für das Persönliche, das Einfache, für Emotionen und Unerwartetes, für Originelles und Aktivierendes, für Optimismus und Humor – alles Eigenschaften, die auch für das Geschichtenerzählen adaptiert werden können. Und Reynolds hat klare Anweisungen gegeben, wie eine Geschichte aufzubauen ist, damit sie funktioniert:

– Zuerst der Plot.
– Immer ans Publikum denken.
– Eine Geschichte braucht eine Struktur und eine Kernbotschaft.
– Relevanz, keine Nebensächlichkeiten.
– Das Publikum gleich zu Beginn gewinnen.
– Ein klarer Konflikt, aber auch die klare Chance der Veränderung.
– Geschichten brauchen einen Spannungsbogen.
– Emotionen erzeugen, authentisch sein.

Sicher ist das alles nicht neu und viele Aussagen in diesem Teil des Buches hat man so oder ähnlich bereits gelesen oder gehört. Aber es macht Sinn, sich auch selbstverständliche Dinge immer wieder einmal vor Augen zu führen, besonders bevor man mit der Arbeit beginnt, ob mit der Vorbereitung eines Vortrags, einer Präsentation oder der Erstellung anderen Contents. Hier bietet das von Pia Kleine Wieskamp herausgebene Buch eine Menge Anregungen.

Links
Storytelling: Digital – Multimedial – Social, Hrsg. Pia Kleine Wieskamp, Hanser

Autor: Renate Eck

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