Handelsmarken treten im Nonfood-Bereich gegen Herstellermarken an

Vor wenigen Tagen fand in Berlin der Deutsche Nonfood Kongress 2011 statt und zwar vor dem Hintergrund eines aktuellen Booms der Eigenmarken des Handels auch im Nonfood-Bereich. Dass Handelsmarken den traditionellen Herstellermarken das Leben schwer machen, ist seit Jahren im Lebensmittelhandel zu beobachten.

Dr. Stephan Telschow

Dr. Stephan Telschow, Director GIM Berlin & POS Research, der GIM Gesellschaft für Innovative Marktforschung mbH, untersuchte auf dem Kongress die Profilierung, Differenzierung und Positionierung von Nonfood-Handelsmarken aus Konsumentensicht. Dabei stellte er heraus, dass es „die“ Handelsmarke nicht gebe, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Herangehensweisen des Handels, beispielsweise die Profilierung allein über den Preis (Preiseinstiegsmarken oder „Billigmarken“), Marken, die auf die Distribution durch einen Händler beschränkt sind (Händlerexklusive Marken oder “Hausmarken”) und die sogenannten Unsichtbaren Handelsmarken, deren Markencharakter nicht herausgestellt wird und die deshalb den Verbrauchern oft unbekannt sind. Besitzen Billigmarken meist eine Markenanmutung, so haben Hausmarken oft einen Vollmarkenstatus, sind also vom Image und der Bekanntheit vergleichbar mit Herstellermarken. Handelsmarken unterscheiden sich aber auch durch ihren Stellenwert im Sortiment, beispielsweise als Lead-Sortiment in Discountern, als Stützsortiment in Baumärkten oder als Ergänzungssortiment, und nicht zuletzt differenzieren sie sich durch ihr Preis-Leistungsverhältnis. So erhält der Kunde bei den Billigmarken Basis-Qualität zum Niedrigstpreis und bei den Hausmarken oft überraschende Qualität zum günstigen Preis, selten jedoch überragende Qualität.

Die Konsumenten, so Telschow, überzeugten an Handelsmarken verschiedene Seiten: Da ist einmal das Verhältnis von Wert und Preis, mit einem gegenüber den Herstellermarken real niedrigerem Preis, aber auch einem niedrigerem Preisimage. Das Risiko, zu viel Geld für zu wenig Value auszugeben, ist dementsprechend geringer.

Shopability, GIM

Während Herstellermarken einem großen Innovationsdruck ausgesetzt seien und dem Konsumenten komplexe Innovationen zu erklären hätten, überzeugten Handelsmarken durch fokussierte Benefits, kämen eher unverkünstelt und reduziert auf relevante Kern-Benefits daher und vermittelten daher eher solche Eigenschaften wie Ehrlichkeit, Bodenständigkeit und Verständlichkeit.

Ehrlichkeit vermittle beim Konsumenten auch der Verzicht auf Werbung, die von diesem eher negativ als Kaufdruck und als Kostenfaktor gesehen wird. Das, die Vereinfachung von Kaufentscheidungen und das Händlerimage als Garant für das Vertrauen in die Handelsmarken subsummiert Telschow unter der Überschrift: Handelsmarken geben Sicherheit. Ein weiteres Plus von Handelsmarken aus Sicht der Konsumenten: sie lassen sich am POS im Vergleich zu Herstellermarken einfacher und unkomplizierter kaufen, denn ihr einfacheres Packdesign konzentriert sich auf die Produktleistung und sie können auf Lautheit im Regal verzichten, da ihre optimale Platzierung handelsseitig gewährleistet wird. Herstellermarken dagegen müssen den „POS als Kampfarena“ nutzen und mit einer gewissen Lautheit ihre Platzierungsnachteile wettmachen. Zuletzt wird noch das Verhältnis von Image vs. Leistung angeführt, bei dem Handelsmarken ebenfalls punkten können, denn sie transportieren – wenn überhaupt – ein unspektakuläres Markenimage, überraschen aber zumeist durch ebenbürtige Leistung. Auch profitieren sie teilweise vom Image des Händlers.

Telschow bescheinigt den Nonfood-Handelsmarken auf jeden Fall weiteres Potential und schlägt zum Beispiel die Ausdehnung von Handelsmarken bei selten genutzten Elektrowerkzeugen oder bei Rasierern oder elektrischen Zahnbürsten vor, wo sie mit guten Basisqualitäten gute Chancen hätten. Auch Premium Handelsmarken als „zugänglichen Luxus“ könnte er sich vorstellen.

weiterführende Links und Vorträge:

» Berufsfeld Marktforschung, ArGuS Arbeitgeberkontaktmesse für Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen 2011
» Was erwartet der Kunde im Garten-Center? Internationaler BHB-Gartenfachmarktkongress
» Nonfood-Handelsmarken aus Konsumentensicht: Profilierung, Differenzierung und Positionierung, Dt. Nonfood Kongress
» Dem Shopper auf der Spur – Strategien und Methoden im Shopper Research, Shopper Marketing Kongress
» Profilierung, Differenzierung und Positionierung – Was unterscheidet Handels- von Herstellermarken aus Konsumentensicht? Deutscher Handelsmarken-Gipfel
» Marktforschung, Drogeriemarkt im Wandel – Drogeriemarktshopper gestern, heute, morgen, Euroforum Deutscher Drogeriemärkte Kongress
» mykeynote: Dr. Stephan Telschow
» Shopper Marketing am Point of Sale, Interview mit Dr.Stephan Telschow

» Visualisierung als Erfolgsfaktor im Pharma-Marketing, Dr. Sigrid Schmid, Referentenblog
» Nachhaltige Markenführung durchTrendforschung, Dr. Christian Wenger, Referentenblog
» Gastbeitrag: Dr. Kerstin Ullrich – Neue Wertevorstellung und Konsumentenwünsche, Referentenblog

Bildnachweis: Dr.Stephan Telschow; Shopability GIM

Disclaimer: eck marketing unterstützt u.a. die GIM Gesellschaft für Innovative Marktforschung mbH bei der Referentenvermittlung. Gerne helfen wir Ihnen bei Fragen weiter.

1 Kommentar
  • Pingback:Mit 45 Blogbeiträgen durchs Jahr 2011 | eck marketing
    Veröffentlicht: 16:26h, 22 Dezember

    […] Referentenvorträge im Mai 17. Persönlicher Dialog zählt im Personalmarketing und Recruiting 18. Handelsmarken treten im Nonfood-Bereich gegen Herstellermarken an 19. Referent und keiner kennt mich? Wie vermarkte ich mich selbst? 20. Buchtipp: Social Media in […]

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