Präsenz oder digitale Live-Konferenzen?

09.06.2020

Wie geht es nun weiter nach dem Shutdown aller Konferenzen, Messen und Tagungen? Können wir uns im Herbst wieder vor Ort mit Referenten und Teilnehmern treffen, wenn auch unter anderen Bedingungen, oder werden digitale Live-Konferenzen und neue virtuelle Veranstaltungsformate weiter wachsen?

„Es ist unser festes Ziel, die DMEXCO zum geplanten Zeitpunkt vom 23. bis 24.9.2020 in Köln auf unserem Gelände durchzuführen“, schreiben die Veranstalter an ihre Community. Hoffnung, im Herbst wieder zu einer gewissen Normalität im Veranstaltungsgeschäft zurückzukehren. Wer hätte sie nicht?

Die Veranstalter des Deutschen Handelskongresses können „aktuell nicht verlässlich vorhersagen, ob wir den DHK 2020 im November in Berlin in gewohnter Weise veranstalten dürfen, auch wenn wir uns das natürlich alle sehr wünschen.“ Gerade nach den vergangenen Monaten wäre es wichtig, sich „in diesem Jahr mehr denn je auf politischer, strategischer und operativer Ebene über die Zukunft der Branche nach Corona mit unseren Experten und Ihren Kollegen austauschen“ zu können. Dennoch arbeitet das DHK-Team „gerade mit Hochdruck (…) auch an innovativen Lösungen, mit denen wir Ihnen unser erstklassiges Kongressangebot – unabhängig von möglicherweise noch bestehenden behördlichen Einschränkungen – auch 2020 zugänglich machen können.“

Man darf gespannt sein. Doch was hat sich da eigentlich in den vergangenen Monaten in der Branche getan? Hybride Veranstaltungen werden auf jeden Falls wachsen, da sind sich die Experten einig. Auf der Webseite von NRW-Startups, einer Gemeinschaftsseite für Startups aus Nordrheinwestfalen, erschien vor kurzem eine Trend-Analyse von virtuellen Events.  Der Autor Melvin Klein hat dazu 250 Online-Events untersucht und sich die Themen und Formate angeschaut und auch, um welche Uhrzeiten der Veranstaltungen bevorzugt stattfinden.

Themen und Formate von Digital-Events

Am beliebtesten bei interaktive Eventformaten sind nach Melvins Untersuchung derzeit Tech-Themen. Vielerorts mussten Mitarbeiter vom Büro ins Homeoffice umziehen und neue Techniken und Werkzeuge waren erforderlich, um die vielfach neue Art der Kommunikation aufrechtzuerhalten. Weitere beliebte Themen sind „Funding, Crisis Management, Innovation and People, oft sind diese Inhalte auf die aktuelle Situation und deren Auswirkungen auf die Unternehmen bezogen.

Webinare führend bei virtuellen Konferenzen

Am beliebtesten bei den Online-Formaten ist das Webinar. Etwa die Hälfte der 250 untersuchten Events waren Webinare. Daneben gibt es Konferenz- und Workshop-Formate sowie Q & A Sessions, also Frage-und-Antwort-Runden. Bei den Webinaren finden einerseits Präsentationen statt, aber die Teilnehmer werden auch interaktiv eingebunden. Bei Q&A Sessions bekommen Teilnehmer sehr schnell Antworten auf ihre Fragen, können Themen vertiefen und dazulernen.

Melvin hat festgestellt, dass über 80 Prozent der virtuellen Events in englischer Sprache angeboten werden, um die potentielle Zielgruppe zu erweitern, auch wenn die meisten im deutschsprachigen Raum organisiert wurden.

Umfang und Teilnehmergebühren interaktiver Online Events

Die meisten Online-Business-Events finden Dienstags, Mittwochs und Donnerstags statt. Entweder am frühen Vormittag oder am frühen Nachmittag, sodass Berufstätige während ihrer Arbeitszeit teilnehmen können. Die untersuchten Veranstaltungen dauern durchschnittlich drei, viele aber auch nur anderthalb Stunden. Mehrtägige Events wurden bei dieser Berechnung nicht mit einbezogen.

Fast 90 Prozent der untersuchten Online-Formate waren kostenlos zu besuchen, nur bei zehn Prozent waren Gebühren zu entrichten, die von wenigen Euro bis zu 600 Euro reichten, abhängig von der Eventdauer, den Inhalten und Lernmöglichkeiten.

 

Lässt sich denn nun mit Online-Angeboten überhaupt Geld verdienen, wenn der Großteil der Angebote für die Teilnehmer kostenlos ist? Wie das geht zeigt Marc Stahlmann mit Onlinemarketing.de und dem Format Digital Bash, einem Online-HR-Event, kostenfrei für die Teilnehmer. Digital Bash Extreme sind dagegen „kondensierte, kostenpflichtige Themenspecials mit Experten und ohne Sponsoren“. Stahlmann plant inzwischen eine ganze Serie bis zum Ende des Jahres. “Wir wollen richtig gute Speaker und bezahlen die auch, damit einzigartige Inhalte entstehen.” Damit macht Stahlmann seine Formate sichtbar in „dem enormen Grundrauschen, das gerade anbrandet“.

Weiterführende Links
– Trend-Analyse von 250 virtuellen Events: Themen, Formate, Zeiten, nrw-startups.de 2020
– Event-Veranstalter und die Krise: Das Jahr der Weichenstellung, absatzwirtschaft.de 2020
– Konferenzen werden zu Online Konferenzen, Referentenblog 2020
– Wie Speaker von Online-Konferenzen profitieren, Referentenblog 2020

 

Bilder: pexels, Andrea Piacquadio; nrw-startups.de; SEO/SEA World

 

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