Umdenken zur Mobilität im besten Alter

Wer kennt sie nicht, die Busse voll mit Menschen im gehobenen Alter. Der überstürzt urteilende Beobachter sieht in diesem Bild wohl die typische Kaffeefahrt, für die Reisenden aber stellt diese Art der touristischen Fortbewegung meist etwas ganz anderes dar: Geselligkeit, Sorglosigkeit und Sicherheit.

Alfred Fuhr vom AvD- Automobilclub von Deutschland,  gab am 11. Januar im Rahmen des Tages der Bustouristik Einblicke in das Reiseverhalten der immer jünger werdenden Rentner. Als Pressesprecher des BDS Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen e.V. beschäftigt sich Fuhr besonders mit der Verkehrslenkung und Verkehrspolitik. In seinen verschiedenen Veröffentlichungen und Vorträgen stellt er die soziologischen Bezüge der Schnittstelle „Mensch – Maschine- Gesellschaft” in der Automobilwirtschaft vor. Durch seine Tätigkeit als Leiter des Instituts für Verkehrssoziologie des AvD konnte er das Themenfeld  „Senioren im Reisebus – Erwartungen einer paradoxen Kundschaft an Bus-Piloten und Reiseleiter“ eindrucksvoll beleuchten: So haben nach seinen Aussagen die Menschen 1968 aufgehört, älter zu werden. Der Titel “Seniorenreise” schreckt also eher die gewünschte Zielgruppe ab, anstatt sie anzusprechen. In diesem Kontext wird oftmals von “Best Agern” gesprochen, eine durchaus sympathischere Bezeichnung für reiselustige Jungsenioren.

Es geht bei den Reise-Angeboten vermehrt darum, den Anforderungen von Menschen über 55 gerecht zu werden: So wünschen sie sich Komfort gepaart mit einem sicheren Erlebnis ohne viel Anstrengung. Die Inhalte einer Reise sollten ebenfalls angepasst werden – sie sollten der Lebenserfahrung der Reisenden entsprechen, und nicht nur altbekannte touristische Ziele verbinden. Ältere Menschen wünschen sich auch, von den Reiseveranstaltern ernster genommen zu werden – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die wohl von bevormundenden Reiseleitern in Frage gestellt wird.

Nostalgie in der Bustouristik ist fehlangebracht – Umdenken ist angesagt.

Die Bustouristik, ein klarer Gewinner des voranschreitenden demografischen Wandels, muss sich also zunehmend den neuen Bedingungen anpassen. Dabei gilt es nach Fuhr grob zwischen zwei Zielgruppen zu unterscheiden: Die bereits angesprochenen Best Ager, also reiselustige Jungsenioren ohne altersbedingte Einschränken und die eher traditionellen Hochaltrigen, deren Ansprüche aufgrund von Gebrechen noch etwas mehr in Richtung Sicherheit und die Verfügbarkeit kurzer Wege tendieren.

Wie stellen Sie sich ihre touristische Zukunft vor? Oder, falls Sie sich schon im besten Alter befinden, wie sind Ihre Erfahrungen mit Busreisen?

Vorträge / Beiträge / Events
>> Alfred Fuhr: Senioren im Reisebus – Erwartungen einer paradoxen Kundschaft an Bus-Piloten und Reiseleiter, RDA.de – „Tag der Bustouristik“ 2010
>>Alfred Fuhr, The Institute for Traffic Sociology at AvD and its work, TU München 2009
>> Schnee und Eis auf Autodach gefährden nachfolgenden Verkehr
>> Erste Bus-Pilot-Schulung in Russland
>> AvD-Oldtimertreff: Biospritbeimengung, ein Umweltdesaster
>> AvD-EVENTS 2010
Bildnachweis: “Group travel by bus” von Yivas / Flickr

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