Veranstaltungen brauchen Überraschungen

Unsere Erlebnisgesellschaft lechzt nach täglichen Überraschungen, ja Wundern teilweise sogar. Nichts ist ermüdender als etwas, das schon einmal da war. Wiederholungen öden an. Das gilt nicht nur im Job oder in der Freizeit, sondern natürlich auch bei Veranstaltungen.

Doch wie werden Veranstaltungen zu Events – zu etwas unverwechselbaren? Wie kann etwas geschaffen werden, das die Gäste überrascht? „Ein Event verspricht das Außergewöhnliche“, so Ulrich Wünsch, Rektor der Hochschule der populären Künste in Berlin. Doch auch ihm ist völlig klar: „Wenn alles zum Event wird, dann ist eben nicht mehr Event“.

Langeweile sei eigentlich ein Problem der Luxusgesellschaft, das erst in den letzten Generationen aufgetreten ist. Früher bestimmten fast täglich „Mega-Events“ das Leben. Neben Kriegen, Krisen und Krankheiten kam selten Langeweile auf. Die Frage, die sich vor allem Unternehmen und Veranstalter in der heutigen Zeit stellen müssen, ist, wie sie es schaffen, die Menschen aus ihrer täglichen Langeweile herauszuholen und mit einem unverwechselbaren Produkt oder auch Event zu überraschen und vor allem zu begeistern.

Kai Hattendorf, zuständig bei der Frankfurter Messe für Unternehmenskommunikation und Marketing, findet, dass Messen zu den ältesten Geschäftsmodellen der Welt gehören, so in der aktuellen brand eins mit dem Schwerpunkt Marketing und Event. Eine Messe sei nichts anderes als ein Marktplatz, die Feuerstelle sozusagen, „um die sich alle versammeln, um zu reden“. Miteinander reden, „verbindet, orientiert, macht sicher, bringt Neues und überrascht damit“. Da sind wir wieder bei der Überraschung.

Doch ist eine Messe in Zeiten von Twitter, Facebook etc. überhaupt noch zeitgemäß? Hattendorf ist davon überzeugt. Zwar passiert in der heutigen Zeit immer mehr online, doch nur mit dem Zweck, um sich offline zu treffen und dann darüber zu diskutieren. Wie sonst ist die immense Zahl an Flashmobs, Netzwerktreffen, Webmontagen oder Barcamps zu erklären? „Sie interessieren sich ein paar Monate lang für die Kopie einer wirklichen Welt, ein ‚Second Life‘ eben, um dann festzustellen, dass ihr First Life spannend genug ist, wenn sie sich mit anderen wirklich austauschen“, erklärt der Kommunikator.

Auch der „MesseTrend 2011“ des Instituts der Deutschen Messewirtschaft bestätigt Hattendorf in seiner Einschätzung. Denn aus Unternehmenssicht liegen Messen weiter im Trend. 84 Prozent der Aussteller empfinden Messebeteiligungen für wichtig oder sogar sehr wichtig. Ein Plus von einem Prozent. Social Media spiele in der B2B-Kommunikation dagegen momentan nur eine Nebenrolle: Nur elf Prozent erkennen die Aktivitäten via Social Networks, Blogs usw. für wichtig an. Der persönliche Kontakt spielt weiter eine sehr große Rolle. Unter den fünf wichtigsten Marketing-Instrumenten sehen die Befragten drei, in denen die Face-To-Face-Kommunikation im Vordergrund steht.

Ob die Virtualisierung nun den Wunsch nach „echten“ Gesprächen verstärkt, darüber kann man diskutieren. Aber eins ist klar: Social Media ist nicht der Tod der klassischen Kommunikation. Viel mehr sind Social Networks, Twitter und Co. eine Bereicherung z.B. auch für Offline-Events. Nie war es einfacher, Gleichgesinnte zu finden und mit ihnen in Kontakt zu treten. Und, warum sollte eigentlich ein Gespräch über Skype, Facebook oder Twitter nicht „echt“ sein?

» Die Überraschung, brand eins Februar 2011
» AUMA_MesseTrend 2011

Bildquellen: sualk61 und jeroen020 (via flickr, CC-Lizenz)

1 Kommentar
  • Pingback:Referentenvorträge mal ganz anders | eck marketing
    Veröffentlicht: 06:47h, 09 Dezember

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