Virtuelle Messen

Die Messe, eines der “ältesten Geschäftsmodelle der Welt” wird nach Ansicht von Kai Hattendorf, Vice President Corporate Communications and Marketing der Messe Frankfurt, auch weiterhin bestehen. Eines jedoch ist klar: Die herkömmliche Art von Messen und Konferenzen wird sich zunehmend auf mehr Raum für Kommunikation ausrichten müssen. “Wo tickt der Puls der Zeit, wo liegen die Wachstumsmärkte, welche Themen treiben die Branchen um, und wie bringt man die wichtigsten global verstreuten Treiber an einen Tisch?”

Denn die Messe als reiner Schauplatz für Waren ist ein überholtes Modell. Längst sind die Innovationszyklen der meisten Branchen – industrielle Investitionsgüter teilweise einmal ausgenommen – wesentlich schneller als der jährliche Messeturnus. Das Ergebnis: Die Unternehmen können nicht mehr auf die Messe warten, um ihre Neuheiten zu präsentieren. Zudem macht das Internet heute einen hersteller- und länderübergreifenden Vergleich von Produkten unproblematisch möglich und damit der traditionellen Messe Konkurrenz.

Daher empfiehlt Hartwig von Sass, Unternehmenssprecher der Messe Hannover, in dem bereits oben zitierten GDI Impuls (2009, #2) Artikel, dass Messen sich umorientieren und stärker an den Bedürfnissen ihrer Kunden ausrichten müssen. Dazu gehört beispielsweise, Messen durch begleitende Konferenzen mit Topbesetzung attraktiver zu machen. So wird die Messe zum Raum für Wissenstransfer und Austausch zwischen Branchenspezialisten sowie interessierten Kunden. Das bloße Produkt tritt in den Hintergrund, während die persönliche Kommunikation mit diversen Stakeholdern zum Leitmotiv für den Messebesuch wird.

Auch virtuelle Messen werden sich künftig stärker positionieren müssen. So meint Manfred Kirchgeorg, Professor für Marketingmanagement an der Handelshochschule Leipzig: „Sobald wir in 3-D über die virtuellen Messen spazieren, elektronisch Vorträge an den Messeständen verfolgen und mitdiskutieren können, wird das Online-Geschäft attraktiver.” Doch schon heute gibt es für Messen und Konferenzen zahlreiche Möglichkeiten, sich digital in Position zu bringen.

So können sie ihr Profil schärfen, indem sie Informationsportale in ihrer jeweiligen Branche anbieten und auf diese Weise das ganze Jahr über Präsenz schaffen. Auf Blogs können sie das Messegeschehen auch für Abwesende erlebbar machen, mit Videolivestreams vergleichsweise günstig die begleitenden Konferenzen weltweit übertragen und anschließend digital konservieren. Ebenfalls gab es schon Beispiele von Konferenzen, die parallel in Second Live stattfanden und dort auch den virtuellen Besuchern die Möglichkeit des Austauschs ermöglichten – sogar mit Rückkanal in die „echte Welt”.

>>Fallstudie Linden Lab: Wie eine Konferenz in Second Life IBMs Technologie-Elite von der virtuellen Welt überzeugt
>> zwei.null trends: Virtuelle Realitäten haben keine große Zukunft
>> 1.Virtueller Kongress “PR 2049″ vom 21.-25.09.2009
>> eVideo Online-Konferenz vom 12.-15.10.2009

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