Martin Meyer-Gossner: Personal Branding funktioniert

Die Darstellung des eigenen Personal Brands im Social Web ist in vielen Branchen nicht mehr wegzudenken: Besonders Berater, Referenten und freie Kreative sind fast schon gezwungen die eigene Reputation zu evaluieren und zu steuern. Aber auch innerhalb von Firmen wird es für die Mitarbeiter immer wichtiger, im Web präsent zu sein: Der neue Markt verlangt nach Transparenz, nicht mehr nur öffentliche Auftritt der Geschäftsführung wird kritisch beäugt.

Martin Meyer-Gossner ist mit seinem Blog “The Strategy Web” unter anderem dieser Thematik auf der Spur.

Deshalb freue ich mich, ein Interview mit Herrn Meyer-Gossner über neue Karrieremöglichkeiten im Social Web führen zu können.

>> Herr Meyer-Gossner, fangen wir mal mit Ihrer persönlichen Geschichte und den Motiven an. Was brachte Sie zum Themenkomplex des Personal Brandings und welche Erfahrungen haben Sie selber damit gemacht?

Martin Meyer-Gossner (M.M.-G): Alles entstand mit einer grundsätzlichen Frage: Firmen investieren für ihr Branding jährlich Milliarden ins Web – der Mensch, meistens keinen Cent in seine eigene Reputation. Muss oder wird sich das nicht mit dem Social Web ändern? Ich denke schon. Zukünftig ist jeder Mensch gefordert, sich als Marke selbst zu finden und zu positionieren. Wer es nicht macht, geht im Social Web für den Karrieremarkt der Unternehmen schnell verloren. Und vor allem lässt man vielleicht selbst ungeahnte Chancen aus und erkennt eigene Talente nicht.

>> Was sind für Sie die Grundpfeiler eines gekonnten Auftritts im Web und welche Plattformen und Dienste nutzen Sie selber intensiv?

M.M.-G.: Eine Marke ist wie ein Werteversprechen für Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Nachhaltigkeit. Wer anfängt, sich im Social Web zu engagieren und zu positionieren, kann mit einem Blog erstaunlich viel bewirken. Dort sollten diese Werte für die User klar erkennbar sein. Wer nicht authentisch kommuniziert, wird schnell entlarvt. Und wo sich Offline- und Online-Wahrnehmung unterscheidet, entsteht schnell ein Identitätsproblem. Derzeit sind mein Blog, XING, LinkedIn, Twitter und Facebook meine vorwiegenden Networking- und Kommunikations-Plattformen. Jede ist ein Puzzleteil meiner persönlichen Branding-Strategie. Die Faszination des Social Web liegt aber in seiner kreativen und inhaltlich-komplexen Netzwerk-Dynamik. Insofern kann sich das auch bald wieder ändern…

>> Wie sieht eine Erfolgsstory aus und wodurch wird die Karriereleiter der Zukunft beeinflusst?

M.M.-G.: Früher hat man mit Fachbeiträgen in renommierten Publikation oder Vorträgen auf Events auf sich aufmerksam gemacht. Da musste man aber erst einmal hinkommen. Das Telefon und der fehlende Kompetenzbeweis erschwerten die Kontaktaufnahme und Einlass in „erlauchte Kreise“. Das Social Web bricht die Grenzen auf und eröffnet neue Chancen. Dort gewinnt man schnell Kontakte, die man sonst nie kennengelernt hätte. The Strategy Web ist so eine Erfolgsstory. Grundsätzlich fing alles mit der Idee an, ein Buch über Webstrategie zu schreiben. Die Relevanz eines Businessbuches wäre von kurzer Lebensdauer in seiner realen und faktischen Aussagekraft gewesen. Dann habe ich gedacht, schreibe ein Blog, was aktueller am Markt ist und viel mehr Inhalt bietet. Es stellte sich schnell die Frage, ob es damit einhergehend möglich ist, eine eigene Marke um eine Person entstehen zu lassen – ohne ein klar definiertes Businesskonzept. Mit dem Inhalt des Blogs kann man inzwischen zwei Bücher füllen. Und irgendwann wird man eben zur Marke, moderiert mal ein Panel oder hält einen Vortrag oder (Web-)Seminare. Personal Branding funktioniert!

>> Wenn jemand schon sehr viel Erfahrung im Umgang mit dem Social Web hat, verschiedene aktuelle Profile führt und eine gute Twitter Präsenz hat, was gibt es für ihn noch zu tun? Kennt Personal Branding Grenzen?

M.M.-G.: Meine Antworten: „Viel“ und „Nein“. Kommunikation und Markenbildung sind dynamische Prozesse, die – wie bei einem Unternehmen auch –  immer wieder gestartet, modernisiert und optimiert werden müssen. Es geht nie darum, wieviel ich quantitativ produziere, sondern dass ich die für mich richtigen Plattformen finde, mich konzentriere an den richtigen Stellen zu kommunizieren sowie meine Themendiskussion identifiziere, recherchiere und vorantreibe. Winston Churchill ist hier zu meinem Leitmotto für meine Engagement im Social Web geworden: Success is never final!

>> Abschließend Ihre Einschätzung was Unternehmen beachten sollten, wenn sie es ihren Mitarbeitern erleichtern wollen, sich im Internet darzustellen. Sollten Unternehmen hierbei völlig freie Hand lassen oder durchaus auch mal in das Personal Branding des Angestellten eingreifen oder zumindest Feedback geben?

M.M.-G.: Das ist eine der schwierigsten Fragen, die derzeit die Unternehmen beschäftigen dürfte. Eine Deloitte-Studie besagt, dass die Generation der Teens den Zugang zu SocialNetworks am Arbeitsplatz erwarten. Es bringt Unternehmen in Zugzwang. Gutes Personal zu gewinnen, ist sowieso schon schwer genug. Den Erwartungen also Rechnung tragen zur Sicherung des qualifizierten Nachwuchses, oder eher auf den Kontrollverlust (wenn es denn einer ist…) verzichten? Es wird in der Zukunft sicherlich in Arbeitsverträgen richtungsweise Zusätze geben, sei es durch Social Media Policies oder die Ansage, dass man die Internetnutzung des einzelnen Mitarbeiters stichpunktartig während der Arbeitszeit monitort. Eine Zensur, die für die Motivation und Arbeitseifer produktiv ist? Solange Innovationssteigerung, Reputationsgewinn oder Produktivität seines Outputs stimmt, kann ich dem Mitarbeiter nichts als positives Feedback geben.In meinen Augen ist das Social Web nicht mehr aufzuhalten und Unternehmen sollten sich überlegen, wie sie dem Kulturwandel gerecht werden.

Vielen Dank für das Interview!

Vorträge von Herrn Martin Meyer-Gossner:

>> Den digitalen Ruf als Referent stärken, eck marketing
>> Slideshare und Prezi für das eigene Personal Branding nutzen, eck marketing
>> Personal Branding für den Referenten, eck marketing

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