Einsatz und Trends: Interview mit Anett Gläsel-Maslov zu Virtual- und Augmented Reality

27.06.2016

In Deutschland tun sich viele schwer mit der Digitalisierung. Viele hoffen, sich nicht verändern zu müssen und schauen skeptisch auf neue Angebote wie beispielsweise Snapchat. Augmented Reality und Virtual Reality sind keine wirklich neuen Themen. Von Google Glass spricht heute niemand mehr. Warum sollen sich diese Themen gerade jetzt durchsetzen? Anett Gläsel-Maslov beschäftigt sich beruflich seit vielen Jahren mit diesen Trends und gibt darauf in unserem Interview einige Antworten?

Anett Gläsel-Maslov ist PR & Communications Manager bei iAdvize – der Plattform für Conversational Commerce. Anett hat sich auf die Themen Customer Journey, Customer Experience und Kundenservice spezialisiert. Vorher war sie als Senior Manager PR & Social Media bei Metaio, dem führenden Anbieter für Augmented Reality tätig. Anett wurde 1980 in Leipzig, Deutschland geboren und hat an der Universität Leipzig Ihren M.A.in Journalistik, Anglistik und Germanistik absolviert. Heute lebt sie in Bochum. Auf Twitter kann man ihr unter @ideentraeger folgen.

Anett_Glaesel_Maslov
Derzeit zielen Hersteller bei den Themen Augmented Reality vielfach und öffentlichkeitswirksam auf den Markt. Welche Bedeutung haben Virtual- und Augmented Reality aber eigentlich für Unternehmen?

Im Moment ist die Bedeutung vielleicht für viele Branchen noch nicht sehr groß, für andere wiederum sind VR oder AR nicht mehr wegzudenken. Es kommt hier sehr darauf an, in welchem Umfeld sich das Unternehmen bewegt. Nehmen wir beispielsweise einen Automobilhersteller, wird dieser Ihnen sagen, dass Augmented Reality in vielen unterschiedlichen Prozessen in der Planung und der Produktion schon seit mehr als 10 Jahren zum Einsatz kommen. Seit einigen Jahren wird zu AR auch VR im Marketing und Vertrieb genutzt, um den Kunden mit neuen Technologien und dem WOW-Effekt zu überzeugen. Immer mehr Unternehmen wollen aber schon in naher Zukunft ihren Mitarbeitern Schulungsszenarien mittels VR und AR anbieten. Das ist für mich einer der nützlichsten Anwendungsfälle.

Unternehmen, die vor allem im B2C-Bereich unterwegs sind, nutzen AR und VR immer mehr für den Vertrieb und das Marketing. Von der AR-Kosmetik-App, in der man sich virtuell anschauen kann, wie man mit dem Make-Up der Saison aussieht oder vielleicht verschiedene Haarfarben ausprobiert, bevor man sich die Haare tatsächlich färbt, bis zur Automobil-App, in der man den Wagen der Wahl schon einmal virtuell besuchen kann und verschiedene Lacke, Felgen, Sitzbezüge etc. auswählen kann, bevor man das Auto bestellt, ist alles möglich.

Virtual Reality wird vor allem im Entertainment-Bereich genutzt. Vor allem Games-Entwickler setzen darauf und sehen mit neuen Datenbrillen ihre Zeit gekommen. Spannend finde ich, dass zunächst mit dem Google-Cardboard, heute mit teilweise als Giveaways auf Events verteilten VR-Brillen, jeder mit seinem Handy in die Virtual Reality-Welt eintauchen kann. Es wird sich zeigen, mit welchen Ideen Unternehmen in nächster Zeit tatsächlich punkten können.

Welche Trends und Entwicklungen gibt es aus Unternehmenssicht bei Augmented Reality in den kommenden Jahren?

Seit ich mit Augmented Reality in Berührung gekommen bin, kann ich immer nur die gleiche Antwort geben: Es steht und fällt alles mit der Hardware. Man erzielt heute schon großartige Ergebnisse mit dem Handy oder dem Tablet, es gibt schon sehr gute Datenbrillen, die Akkulaufzeit der Geräte wird besser, die Prozessoren schneller. Um die Technologie aber tatsächlich im Alltag nutzen zu können – und davon nehme ich die AR-Snapchat-Filter mal raus – muss noch einiges passieren. Kein Mensch möchte mit klobigen Brillen auf der Nase herumlaufen. Es nervt doch immer noch jeden, wenn das Akku schon wieder alle ist oder einfach nichts passiert, weil der Rechner zu langsam ist.

Ich glaube fest an die Zukunft der Technologie. AR wird unseren Alltag bestimmen. Einfach schon deshalb, weil die Nutzung so überzeugend ist und die Anwendungsfälle so vielfältig: Von der Navigation auf der Windschutzscheibe bis zur AR-unterstützten OP ist alles denkbar und teilweise heute sogar schon fertig entwickelt.

Unternehmen werden sich relativ schnell mit den beiden Technologien auseinandersetzen müssen. In kleineren mittelständischen Unternehmen sehe ich das immer noch nicht. Vielleicht liegt das daran, dass man immer noch glaubt, das VR und AR Technologien aus der Zukunft sind. Es könnte sein, dass zu wenig Wissen darüber herrscht, wie Anwendungen – und das teilweise mit sehr einfachen Mitteln und guter Software – selbst entwickelt werden können. Aber auch in Deutschland gibt es viele Entwickler, die sich auf AR und VR spezialisiert haben und beratend zur Seite stehen können.

flickr penn state

Viele Testanwendungen laufen bei Unternehmen derzeit im Bereich Marketing und Vertrieb. Sind Augmented Reality auch in anderen Unternehmensbereichen einsetzbar und wenn, in welchen?

Die Antwort ist ganz einfach: In allen. Von Schulungsszenarien in der Produktion, Remote-Anwendungen im Kundenservice bis hin zur Speiseplan-Planung in der Kantine ist alles möglich. Ich glaube, man muss einfach anfangen, über all‘ die Möglichkeiten nachzudenken, überlegen, wo die Technologien Sinn machen würden, einen Piloten entwickeln und sie ausprobieren. Nur so wird man sehen, welche Einsatzbereiche in Unternehmen sinnvoll wären.

Für wen ist VR geeignet? Womit sollten Unternehmen bei VR anfangen? 

VR ist vor allem für jene Unternehmen geeignet, die Unterhaltung bieten wollen. Virtuelle Welten zu bereisen und sich der digitalen Welt hingeben, macht mit VR-Brillen und vielem anderen Equipment, das es mittlerweile dazu schon gibt, richtig Spaß. Die Qualität der Anwendungen ist immer noch sehr unterschiedlich, aber das wird sich mit der Zeit schnell ändern. Genauso wie die Anwendungsfälle. Sie werden vielfältiger und wie man schon mit der Hololens von Microsoft sehen kann, wird keine Technologie in Zukunft allein daherkommen. VR und AR werden in Anwendungen gemischt sein und jede von der anderen profitieren. Unternehmen sollten sich einfach in diesen neuen Bereichen ausprobieren und schauen, wohin ihre Reise gehen soll. Ich glaube nicht, dass es einen klassischen Einstiegspunkt gibt.

Fotos: Sarah Söhlemann, Flickr Penn State

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Autor: Renate Eck

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